Grafs Steckenpferd ist die Geschichte Übersicht <<<  vorwärts zurück  >>>


  Hans-Joachim Graf kümmert sich um das Archiv der Gemeinde Tegernheim.                                (Foto: Herbert Wesselsky)

Für den Archivar ist das Gemeindearchiv Bestandteil der Verwaltung.
Zum Erhalt der Unterlagen ist in Tegernheim ein neues Gebäude nötig.

Tegernheim. Sein Steckenpferd ist die Geschichte. Historische Zusammenhänge zu beleuchten und diese in Kontext mit seiner Heimatgemeinde zu bringen, ist die Leidenschaft von Hans-Joachim Graf. Er ist nicht nur Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins, sondern einer der Autoren der Heimat- und Geschichtsblätter, die jährlich vom Heimatverein herausgegeben werden. Graf hat dazu Aufsätze der Tegernheimer Geschichte ab dem 18. Jahrhundert bis ins Jahr 1933 verfasst. Zudem ist Graf Archivpfleger der Stadtrandgemeinde. Er hat sich zum Ziel gesetzt, für "sein" Archiv zu werben. Unter anderem referierte er beim Tag der Begegnung zu diesem Thema und sprach nun auch mit der MZ darüber.

Sein Ziel sei es, das Gemeindearchiv in das Bewusstsein der Bevölkerung zu rücken, erklärte Graf. Dazu müsse man sich erst einmal eine Reihe von Fragen stellen, allen voran: "Was ist ein Archiv?" Es gebe Leute, die der Meinung seien, ein Archiv sei lediglich ein Altpapierlager oder das Vereinsheim des Heimat- und Geschichtsvereins, stellt der Archivar augenzwinkernd fest und weiter: "Das ist völlig falsch!" Vielmehr sei das Gemeindearchiv ein Bestandteil der Gemeindeverwaltung, so wie auch der Bauhof zum Rathaus gehöre.


Das Gedächtnis der Gemeinde

Zu unterscheiden seien öffentlich-rechtliche Archive von Staaten, Städten und Gemeinden und private Archive von Unternehmen, Vereinen und Familien, wie beispielsweise die Thurn und Taxis, die Wittelsbacher oder im Falle Italiens das Haus Savoyen, erklärt Graf. Ein Archiv sei quasi das Gedächtnis der Gemeinde.

Der Fortschritt der Zeit macht auch vor Archivgut nicht halt. Deshalb zählen dazu neben Schriftstücken auf Papier, Karten, Fotos, Filmen und Tonaufnahmen längst auch elektronische Sachakten und Datenbanken, macht Graf deutlich. "Das Tegernheimer Archiv bewahrt unter anderen Protokollbücher des Gemeinderats von 1842 bis 1952, Rechnungshefte der Gemeinde von 1700 bis 1978, Wahlakten von 1868 bis 2002 und Tegernheimer Mitteilungsblätter von 1972 bis heute auf", zählt der Archivar auf. Darüber hinaus werde auch sogenanntes Sammelgut archiviert, das von Parteien, Privatpersonen oder der Grundschule dem Archiv übergeben worden sei.


Viele Details parat

Der leidenschaftliche Hobby-Historiker kann auch mit einigen überraschenden Erkenntnissen aus den Archivdaten aufwarten: So habe sich 1736 eine Einheit des Prinzen Eugen in Tegernheim aufgehalten, im Jahr 1743 seien 175 österreichische Soldaten einquartiert gewesen. Der Vorbeizug eines arabischen Prinzen ist im Jahr 1746 festgehalten. Die erste Adressierungen der Tegernheimer Häuser wird im Jahr 1792 datiert, zählt der Gemeindearchivar stolz auf.

Zur Erhaltung des Archivguts zähle die vorbeugende Konservierung. Hierbei spielen Temperatur und Luftfeuchtigkeit - sprich das Raumklima - eine entscheidende Rolle. Erfreulich sei es, dass die Gemeinde ein neues Archivgebäude erstelle, denn das bisherige Gebäude könne die notwendigen Anforderungen nicht erfüllen. Es gebe im alten Archiv zwei Klimazonen. Im Winter habe man bei laufender Heizung nach einer Stunde "erfrorene Füße", steige man jedoch auf eine Leiter gerate man ins Schwitzen, fasst Graf plastisch zusammen.


Hohe Temperaturschwankungen

Im jetzigen Archiv seien auf das Jahr gesehen Temperaturen von 8 bis 25 Grad. Diese Schwankungen seien schädlich für das Archivgut. Die Temperatur soll zwischen 13 und 18 Grad Celsius liegen, macht Graf deutlich.

Geöffnet ist das Gemeindearchiv jeweils montags von 18 bis 19.30 Uhr. Die Benutzung des Archivguts erfolgt auf Antrag, die Einsichtnahme erfolgt vor Ort. Ausgeliehen darf das Archivgut nicht werden.

Ohne die Öffnung des Gemeindearchivs und Erschließung des Archivguts sei eine Erforschung der Ortsgeschichte nicht möglich, fasst Graf zusammen. Denn ohne Kenntnisse der eigenen Geschichte gelte der Grundsatz: "Wer nicht weiß, woher er kommt, der weiß auch nicht, wohin er geht!"

(Bericht der Mittelbayerischen Zeitung vom 08. August 2014, Petra Schmid)
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